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Wir sind kürzlich in den beruflichen Ruhestand übergewechselt :

Meine Frau - Anna Barth - Kulturpreisträgerin des Deutschen Jagdschutzverbandes füllt ihre Freizeit weiterhin mit künstlerischen Aktivitäten aus. Ihr Schwerpunkt liegt in der Herstellung von Tierplastiken , aber ab und an malt sie auch.

Ich selbst beschäftige mich nach wie vor mit Themen des Naturschutzes und der menschlichen Evolution in der Überzeugung, dass menschliche Abhängigkeiten von einer intakten Natur über Jahrmillionen genetisch fixiert worden sind ("Psychotop") und mehr als bisher auch im Interesse der Spezies Mensch gefördert und durch Bildungsreformen mehrheitsfähig werden müssen.


Wie kommt ein "Schweißhundemann" zu einem Ridgeback?

Diese Geschichte ist deshalb interessant, weil sie sowohl unseren persönlichen Zuchtschwerpunkt als auch unseren Weg zum Club E.L.S.A als ganz natürliche Folge erklären läßt:

30 Forstberufs- und Jagdjahre mit Hannoverschen Schweißhunden

Ich habe seinerzeit nach dem Studium der Forstwissenschaft während des Referendariats mit dem Thema "Der Hannoversche Schweißhund als Beispiel für die Entwicklung einer deutschen Jagdhundrasse" promoviert. Da ich das Nachsuchenwesen auch aus Tierschutzsicht jagdethisch für sehr wichtig halte, ergab es sich für mich eher automatisch, daß ich als Forstmann auch in der Praxis ein engagierter Führer von Hannoverschen Schweißhunden wurde. Diese älteste deutsche Jagdhundrasse ist einst als es noch keine geeigneten Waffen gab – ausschließlich für die Fährtenarbeit vor der Jagd entwickelt worden. Erst nach der Entwicklung von Jagdgewehren wurde diese Rasse über viele Jahrhunderte für das Nachsuchenwesen (Riemenarbeit, Hetze und Stellen) sowohl züchterisch als auch führungstechnisch optimiert. Ich leitete 20 Jahre lang das Hochwildforstamt Oderhaus im Harz, von wo aus ich überregional – im Urlaub auch in Namibia - viele hundert Nachsuchen auf Hochwild absolviert habe. Aus meinem Zwinger "Vom Oberharz" sind etliche besondere Leistungshunde hervorgegangen. Über 20 Jahre war ich im Vorstand des
Vereins Hirschmann aktiv, der bekanntlich die Hannoverschen Schweißhunde in Deutschland betreut. Diesen Verband habe ich auch 1983 mit "Birko vom Oberharz" bei der Internationalen Schweißhundverbandssuche in Ungarn vertreten. Als Inhaber der goldenen Leistungsnadel des Jagdgebrauchshundeverbandes (JGHV) für erschwerte Nachsuchen darf man also unterstellen, dass ich die jagdliche Eignung von Jagdhunden für den Einsatz insbesondere auf Hochwild aufgrund umfangreicher Erfahrungen beurteilen und deshalb auch einiges über die besondere Eignung der Ridgebacks bemerken kann. Keinesfalls dürfen wir vernachlässigen, dass die Ridgebacks vom Ursprung her in Afrika sowohl Allroundjagd- und Begleithunde als auch hochspezialisierte Löwenjagdhunde sind. Sie sind keine Modehunde, deren Schicksal auf dem Parkett von Schönheitswettbewerben entschieden werden darf

Konsequenzen meiner beruflichen Schwerpunktverlagerung

Als ich 1994 der Gründungsleiter des Nationalparks Harz wurde, habe ich sowohl aus Zeitmangel als auch im Interesse der Sache des Naturschutzes in einem Nationalpark die Jagd für mich persönlich aufgegeben. Nachdem in dieser Zeit mein letzter Hannoverscher Schweißhund gestorben war, fiel uns die Wahl einer Nachfolgerasse außerordentlich schwer, zumal ich selbst im Verein Hirschmann immer konsequent dafür eingetreten war, daß diese wertvolle Hunderasse nur in die Hände von Führern gehört und keinesfalls Liebhabern bzw. irgendwelchen Modetrends ausgeliefert werden darf. Wir dürfen nämlich nicht unterschätzen und kleinreden, daß heute viele Hunderassen durch ehrgeizige Schönheitszüchter/innen gefährdet sind, die mehr um die eigene Geltung als um die Gesundheit und Zuchteignung ihrer Vierbeiner besorgt sind. Gebrauchshundezucht ist unbedingt auf das Verantwortungsbewußtsein aller Halter und Züchter angewiesen! Dies gilt natürlich genauso für Ridgeback-Freunde, aber aufgrund der deutschen Jagdgeschichte bei uns eben ganz besonders für Schweißhundeleute:

HS: Verantwortung gegenüber einem sehr alten deutschen Jagd-Kulturgut

Der Hannoversche Schweißhund ist die direkte Folgerasse des "Leithundes" - erwähnt schon in deutschen Stammesrechten vor 1500 Jahren für schwere Bracken, die geführt am langen Riemen, das Hochwild vor der eigentlichen Hetzjagd zu bestätigen hatten. Als die Jagdgewehre aufkamen und sich mit ihnen die Jagdarten änderten, brauchte man keine Leithunde mehr, sondern in erster Linie auf Hochwild besonders geeignete Hunde für die Arbeit nach dem Schuß. Man nahm die bewährte und unveränderte Rasse des Leithundes, benannte sie aber – wie damals auch bei Menschen recht verbreitet – nach ihrem Beruf, also einfach „Schweißhund“ oder auch „Deutscher Schweißhund“. Den Zunamen „Hannoverscher Schweißhund“ erhielt der Schweißhund erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem der Bayerische Gebirgsschweißhund um 1860 durch Kreuzung von Schweißhunden und einheimischen Bracken entstanden war und vornehmlich im süddeutschen Raum zunehmende Verbreitung fand. Der Zuname „Hannoversch“ war eine Verbeugung vor dem Königreich Hannover, das die alte Rasse der Leit- bzw. Schweißhunde unverändert über die schwierige Zeit der Deutschen Revolution (1848) gerettet hatte. Historisch wird dadurch zwar eine norddeutsche Herkunft der Rasse suggeriert und die wirkliche Entstehung als „urdeutsche“ Hochwildspezialrassse etwas verschleiert, doch alle Fachleute auch des Internationalen Schweißhundeverbandes sind sich heute bewusst, daß sie die Verwantwortung für ein ganz besonderes, ausschließlich durch Leistung in der Praxis kultiviertes, deutsches Jagd-Kulturgut haben. Die Bewahrung der Rasse muß deshalb hochspezialisierten, leistungsorientierten Fachleuten überlassen bleiben. Dem muß sich nach meiner Überzeugung jeder stellen, der Geschichte, Herkunft und Zucht einer Rasse als Verantwortung begreift.
Konsequenterweise wollte ich also nach dem Alterstod unserer letzten Schweißhündin die Rasse wechseln, wir wussten allerdings zunächst nicht, für welche Rasse wir uns entscheiden sollten, zumal wir die Ridgebacks noch nicht näher kennengelernt hatten.

Einige Wochen ohne Hund führten uns in ein Tierheim

Jeder Hundefreund kennt das gewisse Leeregefühl, das sich einstellt, wenn der Hund fehlt und der leere Hundekorb immer wieder Erinnerungen wachrüttelt. Vielleicht konnte man ja in einem Tierheim das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden….? Also klapperten wir verschiedene Tierheime ab. Schließlich fanden wir im Tierheim Göttingen einen traurig dreinblickenden, etwa 2 jährigen Foxhound, der uns auf Anhieb gefiel, der Hilfe brauchte und uns sehr schnell ein lieber Nachfolger der Schweißhunde in unserer Familie wurde. Er hatte jedoch eine Macke: Er konnte nicht allein bleiben! Nachdem er ein zweites Mal in einem PKW den Himmel kurz und klein zerrissen hatte, war es klar, daß wir uns nach einem geeigneten Gefährten für den Foxhound umschauen mußten!

Der Afrika-Virus – unser Drang zum südlichen Afrika – führte zur Lösung

So kam es, daß wir uns im Jahr 2002 während eines Urlaubs in Süd-Afrika mit dem international bekannten Ridgebackexperten Scotty Stewart in Johannesburg getroffen haben, von dem wir viel über diese afrikanische Jagdhunderasse und deren Einsatz z.B. im Krüger-Natinalpark erfahren haben. Wir konnten uns etliche Ridgebacks in Süd-Afrika anschauen und persönlich ihr Wesen testen. Es kam wie es kommen musste: Wir haben uns auf Anhieb in diese Rasse verliebt! Noch im gleichen Urlaub konnten wir in Pretoria unsere „Lihuntra Amadi“- genannt „Tinga“ – im Alter von gerade mal 8 Tagen aussuchen. 10 Wochen später haben wir Tinga dann am Flughafen in Frankfurt in Empfang nehmen können.

Ridgebacks – Allroundhunde für raue Begleit-, Jagd und Schutz-Praxis

Tinga war von Anfang an ein sehr selbstbewusstes, intelligentes, neugieriges und ständig lernbereites Hundemädchen, das dem für sie ja zunächst riesigen Foxhound schon recht bald zu erkennen gab, wer künftig das Sagen haben wird. Typisch für sie war z.B. schon nach wenigen Wochen, daß sie im Garten auf eine Sonnenliege sprang, dort der Länge nach Anlauf nahm und mit einem großen Satz auf den Rücken des Foxhoundes landete...Sehr schnell wurden beide Hunde ein unzertrennliches Gespann. Im Laufe der Zeit merkte ich, daß Tinga hervorragende jagdliche Eigenschaften hat: Sie ist sehr passioniert, konzentriert und fährtentreu, fährten- und hetzlaut, sehr schnell in der Hetze, ausdauernd und scharf – aber nicht kopflos – beim Stellen. Sie hat z.B. einmal über Nacht 12 Stunden lang in der winterkalten Oder im Harz ein Rotwild-Kalb gestellt, das durch einen Verkehrsunfall verletzt war. Erst am nächsten Tag erfuhren wir, wo sie in (!) der Oder am inzwischen verendeten Kalb stand.

Diese besondere jagdliche Eignung hat uns in Verbindung mit den typischen Ridgeback-Eigenschaften – lieber Familienhund, Wach- und Begleithund – sowie mit der direkten Herkunft aus Afrika bewogen, mit dem Club E.L.S.A Kontakt aufzunehmen, um zu ergründen, ob an dieser Import-Blutlinie seitens des Verbandes Interesse besteht. Tinga absolvierte also die beiden vorgeschriebenen Hundeschauen – jeweils mit dem Formwert „s.g.“ – sowie die Röntgenuntersuchung, die ein einwandfreies Resultat ergab. Dann folgte die Körprüfung mit dem nach meiner Einschätzung äußerst wichtigen Wesenstest, der letztlich – wenn alle anderen Vorraussetzungen erfüllt sind – über die Zuchteignung entscheiden muß. Erwartungsgemäß hat Tinga alle Richter auf Anhieb überzeugt.

Ja, aus dieser Entwicklung dürfte deutlich werden, daß wir uns auf die jagdliche Eignung konzentrieren wollen und in erster Linie die praktische Bestimmung sehen, für die Ridgebacks unserer Meinung nach stehen: Jagdeinsatz, Familien- und Begleithund, Kumpel in jeder Lebenslage, der nicht etwa in einem Zwinger, sondern stets in den Kreis der Familie und das Umfeld des Besitzers und Führers gehört! Das Parkett von Schönheitswettbewerben kann getrost anderen überlassen werden, insbesondere dann, wenn derartige Schauen weniger der Rasse als vielmehr der menschlichen Selbstdarstellung dienen.

Zucht, Haltung und Führung – Freude, doch auch gewissenhafte Verantwortung

Aus eigener Erfahrung kann ich die Leitlinie des Clubs E.L.S.A „ Der rote Jäger mit dem Rückenkamm“ (es folgen auszugsweise Zitate) inzwischen voll und ganz bestätigen: Tatsächlich haben Ridgebacks das Beste von ihren Vorfahren geerbt. Ein einwandfreies, noch sehr wölfisches Sozialverhalten, Nervenstärke, eine besonders gute Nase, große Jagdleidenschaft, Wachsamkeit und Reaktionsschnelligkeit. Diese ursprünglichen „Löwenhunde“ fanden 1924 ihre internationale Anerkennung als Gebrauchsrasse in der Gruppe der „Gun Dogs“ und sind heute als leistungsfähige Gebrauchshunde in die FCI-Gruppe 6 der Lauf- und Schweißhunde eingeordnet. Sie sind zuverlässige Begleiter, Beschützer und Bewacher. Auf der Pirsch zeigen sie, ob sich Wild in der Dickung befindet, und geschnallt sind sie sehr schnell am kranken Stück. Sie sind deshalb sehr gut auch vor dem Schuß einzusetzen, um z.B. zu ergründen, wo man sich abends am besten ansetzt. Ihre Feinnasigkeit und Wildschärfe prädestinieren sie für alle normalen Aufgaben nach dem Schuß. Akzeptiert man einen „Dreiviertelwolf“ und behandelt ihn entsprechend, ist es egal, ob das „Rudel“ (die Familie) aus zwei, drei, vier und wer weiß wie vielen Mitgliedern besteht. Der Rhodesian Ridgeback wird sich in jedem Fall einordnen und wohlfühlen, wenn er permanenten Familienanschluß und eine feste Bezugsperson hat, in deren Nähe er auch in der Nacht schlafen kann. Ein Rudel schläft nun mal zusammen, außerdem vertieft es die Bindung ganz ungemein. Er ist ein unverfälschter „Naturbursche“, den wir auch als solchen behandeln wollen und den wir ausgibig in der Natur bewegen wollen, egal ob wir zu Fuß, per Rad oder zu Pferde unterwegs sind. Er ist übrigens ein Spätentwickler und frühestens zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr physisch und psychisch ausgereift.

Wir möchten im Club E.L.S.A dazu beitragen, daß die ursprünglichen Eigenschaften dieser gegenüber der Bezugsperson sensiblen, im praktischen Einsatz jedoch selbstsicheren, arbeitsfreudigen und ausgesprochen cleveren Jagdhunderasse erhalten und gefördert werden. Dazu gehört eine verantwortungsvolle Auswahl unter den Welpenbewerbern, die ebenfalls helfen und erkennen, daß eine Überbewertung von Schöheits- oder gar Modeidealen das Rassenpotential gefährdet, wenn z.B. für die Richter nicht immer sofort erkennbare Wesensmängel verschwiegen werden.

Wir hoffen, daß wir für unsere Welpen Ridgebackfreunde finden, die genauso denken und handeln wie wir!





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